Interview: Reiner Girsch & Marc Barkowski, von „STREET – Das deutsche Streetfotografie Magazin“

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Über die berühmt berüchtigten sozialen Netzwerke an mich herangetragen (die genaue Quelle weiß ich leider nicht mehr), war ich sehr neugierig, was hinter „STREET – Das deutsche Streetfotografie Magazin“ steckte. Etwas verwundert über das ausgewählte Publikationsformat (nämlich nicht Print oder Blog, sondern PDF) war ich sehr schnell vom Inhalt angetan und lud mir, nachdem ich zuerst Ausgabe 2 auf meinem iPad hatte, auch die erste Ausgabe herunter.

Spontan fragte ich bei den Herausgebern Reiner Girsch und Marc Barkowski an, ob sie bereit wären, mir ein paar Fragen zu beantworten. Das Ergebnis könnt Ihr hier lesen.

Ohne Vorgreifen zu wollen hätte sich mir von Vorneherein die Handschrift eines gewissen Herrn Leuthard zu erkennen geben müssen (Betreiber des Podcasts StreetCast.FM – Der deutsche Street Fotografie Podcast) und ich musste schon etwas schmunzeln, dass auch in diesem Format das Wort „deutsche“ Einzug gehalten hat 😉

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STREET: Reiner Girsch & Marc Barkowski

Woher kennt Ihr Euch?

Marc: Ich erinnere mich an einem Photowalk in Köln 2012. Dort habe ich Reiner zum ersten Mal gesehen. Aufgefallen ist er mir, da er berufsbedingt etwas später zum Walk kam.

Was begeistert Euch an „Streetfotografie“?

Marc: Ich kann dadurch meine eigene Sicht der Dinge entwickeln.
Reiner: Street begeistert mich durch ihre Vielseitigkeit.

Wie lange seit Ihr in dem Genre schon unterwegs?

Marc: Seit 2011.
Reiner: Seit dem 29.10.2012

Was ist für Euch „Streetfotografie“?

Marc: Eine Lebenseinstellung mit visionären Ideen.
Reiner: Streetfotografie ist den Moment festhalten im urbanen Raum.

Mit welcher Kamera und Ausrüstung seit Ihr regelmäßig unterwegs?

Marc: OLYMPUS OM-D E-M10 mit 14-42 mm Objektiv.
Reiner: OLYMPUS OM-D E-M5 mit dem Panasonic 20mm Pancake

Was hat Euch genau dazu getrieben bzw. motiviert, ein eigenes Magazin auf den Weg zu bringen?

Reiner: Bei mir war es so das ich was schreiben wollte, was mit meinem Hobby zu tun hat. Da kam mir die Idee mit dem Magazin. Ich fragte Marc und er sagte Ja können wir machen. Erste Pläne wurden besprochen. Dann kam Thomas Leuthard nach Köln und übernachtete auch bei mir. In dieser Zeit gab es einige Gespräche über die Idee und Thomas, so hatte ich den Eindruck, war sehr angetan davon. Bei einem Walk endeten wir dann in einem McCafé und Thomas zeigte Marc und mir, dass wir groß denken sollten, damit es Erfolg haben kann. Der Abend war so motivierend, dass er mich nachhaltig verändert hat. Am nächsten Morgen hat Thomas dann direkt etwas recherchiert und geschaut, wie wir am besten das Layout gestalten könnten. Das finale Cover ist dann auch vom ihm. Er schaute nach, wie es einen hohen Wiedererkennungswert hat und wie es mit verschiedenen Bildern funktioniert. Alles Sachen, an die ich ehrlicherweise vorher gar nicht gedacht habe. Das war die Geburtsstunde von STREET – Das deutsche Streetfotografie Magazin.

Warum habt Ihr keinen Blog oder Podcast daraus gemacht und Euch für das Format „Magazin“ entschieden?

Reiner: Weder Marc und ich haben groß Ahnung von Computern. Ein Blog stand damit gar nicht zur Diskussion, zumindest nicht für mich. Und als das Magazin entstanden ist, wußte ich bereits, dass es einen neuen Podcast zum Thema Streetfotografie geben wird (nämlich StreetCast.fm). Aber ganz ehrlich, ich glaube, ich hätte das mit dem Podcast auch nicht so hinbekommen wie Thomas und Sebastian. Von daher ist es schon gut wie es ist.

Wie werdet Ihr auf Eure Interview-Partner aufmerksam und wie geht Ihr vor, diese für ein Interview zu gewinnen?

Reiner: Das ist relativ einfach. Noch! Wir haben eine Liste gemacht von Leuten, die man in der Szene kennt und die wir gerne interviewen möchten. Dann haben wir erstmal bei den großen Namen wie Thomas Leuthard oder Marius Vieth angefragt, weil wir dachten, dass wir so schneller Bekanntheit mit dem Magazin erreichen. Diese und weitere Gespräche sowie das noch intensivere Beschäftigen mit dem Gerne „Streetfotografie“ bringen immer mehr interessante Leute hervor. Und bei Leuten, bei denen wir denken, dass sie etwas zu erzählen haben, was auch für unsere Leser interessant ist, da setzen wir an. Wir schreiben die Personen an und schicken, wenn sie einverstanden sind, eine Mail mit einer Frage. Auf diese Antworten sie und dann geht es so weiter.

Ich finde keine Werbung in Eurem Magazin – bleibt das so?

Reiner: Dann hast du nicht richtig hingeschaut oder wir haben sie gut versteckt. Mit Cosyspeed haben wir einen Werbepartner, der seit der ersten Stunde dabei ist. Wenn sich weitere Interessenten finden, die etwas bewerben möchten, wären wir natürlich froh, da das Magazin Kosten verursacht. Aber alles in allem soll es nicht mehr wie 3-4 Werbungen in einer Ausgabe geben. Wichtig ist uns, dass sie zu unserem Magazin passen und sich auf Fotografie beziehen.

„Magazin“ – das impliziert für mich, etwas aus (hochglänzendem) Papier in den Händen zu halten. Könnt Ihr Euch vorstellen oder plant Ihr sogar, Euer Magazin irgendwann mal als Printausgabe anzubieten?

Reiner: Prinzipiell kann ich mir das schon vorstellen. Ich werde öfters gefragt, ob es das Magazin nicht als Printausgabe gibt. Das Interesse besteht also und es gibt sogar Leser, die uns Bilder zukommen lassen von einem Magazin, das sie sich selber als Printausgabe haben drucken lassen. Doch ich denke, dass es zur Zeit noch zu wenig Interesse dafür gibt und es deshalb auch von den Druckkosten zu hoch ist. Ich selber lasse mir das Magazin drucken und dann kostet es pro Heft zwischen 7 und 12 €, je nachdem, wieviele farbige Seiten eine Ausgabe hat.

Wie aufwendig ist die Produktion einer Ausgabe, d.h. wie viel Vorlauf habt Ihr und wie viel Zeit investiert Ihr bisher pro Ausgabe?

Reiner: Aufwendig ist es *lach*. Wir haben bewußt einen zwei Monatsrhythmus gewählt.
Bei mir ist es so, dass ich nach einer Ausgabe eine Woche lang versuche den Kopf freizubekommen und mich um andere Sachen kümmer. Danach fangen ich langsam an, die Interviewpartner und andere Artikel vorzubereiten. Da wir das ja überwiegend per Mail machen geht so einige Zeit ins Land und wir haben mal gesagt das wir 4 Wochen vor erscheinen die Texte beisammen haben möchten. Dann gehen die Texte zum Korrekturlesen / Lektorieren weg. Wenn sie wieder kommen fange ich dann mit dem Layout an, welches ich mit Word mache. Danach wird nochmal drüber geschaut und dann das endgültige PDF erzeugt.

Was sind die coolsten Rückmeldungen bisher gewesen?

Reiner: Für mich die coolste Rückmeldung war als ich kurz nach Erscheinen der ersten Ausgabe Bilder von dem Magazin als Printausgabe gesehen habe. Da wußte ich, dass das Magazin gut ankommen wird.

Gab es Kritikpunkte?

Reiner: Bisher nicht viele. Die Sachen, die angesprochen werden, finde ich sind dann schon Sachen auf hohem Niveau. Es wurde mal gesagt, dass das Layout nicht passt oder dass das Cover unruhig wirkt. Dies versuchen wir dann zu verbessern. Mit der dritten Ausgabe ist das Cover z.B. überarbeitet. Man darf nicht vergessen, dass wir das als Hobby machen und deshalb sollte man uns auch etwas Zeit geben.

Wie erklärt Ihr Euch (den meiner Meinung nach) zunehmenden Hype um das Thema „Streetfotografie“?

Marc: Die wenigen medienwirksamen Streetfotografen und den ganz vielen nicht so medienwirksamen Streetfotografen ist dies zu verdanken. Und Vivian Maier natürlich.
Reiner: Jeder kennt die Fotografien, jeder hat jetzt eine Kamera dabei und nennt sich Streetfotograf. Deshalb kommt so eine Bilderflut. Am Ende bleiben aber immer die selben über und erst dann reden wir von Streetfotografen.

Welche (Street-) Fotografen begeistern und inspirieren Euch am meisten – und warum?

Reiner: Martin Parr, Thomas Leuthard, Andrzej Dragan, Paul Ripke, Steffen Stilpirat Böttcher, Gerd Bonse, Bernd Schäfers, Marc Barkowski, Achim Katzberg, Martin U. Waltz und noch ganz viele andere, die ich mir gerne anschaue.
Marc: Ich habe keine bestimmten Fotografen.

Welche Podcasts zum Thema Fotografie hört Ihr regelmäßig?

Reiner: Ich höre regelmäßig StreetCast.fm und unregelmäßig aber trotzdem alle Folgen von Fotophonie, Fotowalker Audio Cast, Happy Shooting. Sehr gut fand ich auch den Podcast von Motivagent. Aber der macht leider seit Mitte letzten Jahres wohl nichts mehr. Sonst höre ich noch von einem Fotograf den Podcast, aber da geht es eher weniger um Fotografie (Calvin Hollywood mit Wer will der kann)
Marc: Unregelmäßig StreetCast.fm.

Könnt Ihr Literatur, Blogs oder Filme empfehlen?

Reiner: Bücher empfehle ich immer Fotobücher. Insbesondere das Logbuch NY von Steffen (Stilpirat) Böttcher oder das Goldene WM Buch von Paul Ripke. Blogs lese ich leider nicht soviele weil ich kein Englisch kann und gute Deutsche sind rar.
Ich schaue immer wieder auf dem Blog vom Stilpirat und Clavin Hollywood vorbei. Auch bei Paul Ripke und dem Street Photography Cologne schaue ich öfters und lasse mich inspirieren. Als Film kann ich den Bang Bang Club und War Photographer empfehlen. Als Streetfotograf sollte man aber auch Finding Vivian Maier gesehen haben.

Mal angenommen, Eure Wünsche würden alle in Erfüllung gehen – wo steht Ihr dann in einem Jahr mit Eurem Magazin?

Reiner: Im Bahnhofskiosk und anderen gut sortierten Geschäften als Printausgaben.
Marc: Als Pflichtlektüre in Fotoakademien! (Ich lache nicht!)

Was fotografiert Ihr außer Street sonst noch gerne?

Reiner: Ich mache für mich privat gerne Langzeitbelichtungen.
Marc: Es gibt noch etwas anderes als Street?

Und jetzt noch bitte Eure Webprofile, Flickr, Facebook, und was Ihr sonst noch so befüttert 😉

Reiner:
www.facebook.com/reiner.girsch.7
www.facebook.com/reinergirsch
www.flickr.com/photo/reinergirsch
www.instagram.com/reiner_girsch

Marc:
https://www.facebook.com/marc.barkowski
https://www.flickr.com/photos/barflypixxx
https://www.instagram.com/marc.barkowski

Ausserdem betreiben wir
www.photowalk.cologne
www.STREETmagazin.com

Vielen Dank für das Interview und den Blick hinter die Kulissen. Einige für mich neue Blogs, Fotografen und Filme werde ich mir auf jeden Fall demnächst näher anschauen. Ich bin gespannt auf Eure nächste Ausgabe und wünsche Euch viel Erfolg!

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