Warum ich fotografiere

Inspiriert von der sehr empfehlenswerten StreetCast.FM- Podcast-Folge #028 – Warum fotografierst Du? (mit Sebastian Schmidt) habe ich diese Frage für mich selbst aufgegriffen und versucht, Antworten in Worte zu fassen – gar nicht so leicht 😉

Kurz gesagt fotografiere ich weil:

  • Fotografie ist für mich wie abstraktes Tagebuch führen
  • Fotografie ist ein Spiegel von (meiner) Motivation und Persönlichkeit
  • Fotografieren macht zufrieden
  • Fotografie steht über der Zeit-Dimension

Fotografie als Tagebuch

Zum einen fotografiere ich, weil mein Foto für mich, ähnlich wie Musik, wie ein Speichermedium für Erinnerungen und die damit verbundenen Emotionen ist. Ich kann sagen, dass Fotografieren für mich eine sehr abstrakte Art ist, Tagebuch zu führen, völlig gleich, ob es sich dabei um „Geknipse“ oder (veröffentlichte) Fotografie mit einem bestimmten Anspruch handelt. Das Bild haucht mich förmlich durch die Zeit mit allen Sinnes- und Gefühlswahrnehmungen der betreffenden Situation an.

Fotografie als Spiegel von Motivation und Persönlichkeit

Lasse zwei Fotografen auf ein Motiv los und das Ergebnis wird sehr wahrscheinlich völlig unterschiedlich ausfallen. Oder: Gib zwei Fotografen das gleiche Bild zum Entwickeln – und es kommen zwei unterschiedliche Bilder heraus. Als Beispiel möchte ich hier ein Motiv zeigen, das Markus auf einem Fotowalk mit mir in Hamburg fotografiert hat.

Meine Fotointerpretation in Farbe

 

Weil mich das Bild sehr begeistert hatte schlug ich vor, die entsprechende RAW-Datei einmal von ihm und einmal von mir via Lightroom zu entwickeln und zu schauen, was dabei herauskommt. Das Ergebnis fand ich sehr spannend: Während Markus eher den Spruch auf dem Abfallbehälter im Kontrast mit dem eigentlichen Motiv im Fokus hatte und daher auch schwarz/weiß wählte, faszinierte mich die schäbige Gesamtsituation mit dem roten Abfalleimer und dem Müll drum herum.

Interpretaion von Markus in schwarz-weiß

Reeperbahn-Müll-farbe

Das war für mich der Erkenntniszeitpunkt, dass, egal, was ich fotografiere, es in jedem Fall meine „Note“ aufgedrückt bekommt und das Foto damit einzigartig wird, selbst wenn ich den zig millionenfach fotografierten Eifelturm als Beispiel nehme. Im Umkehrschluss heißt das natürlich auch, dass alle Fotos von anderen ihre entsprechende individuelle Prägung haben. Bestenfalls ist ein Foto mit so etwas wie einem Persönlichkeits- oder Charakter-Code versehen, den ich vielleicht (und darin liegt der Reiz im Betrachten von Fotos anderer für mich) entschlüsseln kann. Allein der Umstand, mich mit der Möglichkeit einer Entschlüsselung zu beschäftigen, macht ein Foto für mich zu Kunst. Genau diesen Anspruch möchte ich idealer Weise mit meinen Bildern (auch für mich selbst) verwirklichen.

Fotografieren macht zufrieden

Ich fotografiere, weil ich einen Zustand höchster Zufriedenheit mit mir selbst  erreichen möchte, der sich dann einstellen kann (und auch schon oft eingestellt hat), wenn mir geplant oder überraschend ein Bild gelingt, das mich selbst total flasht und das ich immer wieder anschauen muss. Das ist sehr selten, macht den Augenblick, wenn er denn eintritt, aber umso schöner und wertvoller.

Weiß und rot – zur richtigen Zeit gesehen und zum Glück die Kamera bei der Hand

Fotografie steht über der Zeit-Dimension

An Fotografie allgemein fasziniert mich, einen bestimmten Moment einfrieren zu können. Ich kann mir beim Betrachten dieses eingefrorenen Moments unbeschränkt viel Zeit lassen, ebenso im Empfinden der gegenwärtigen oder damaligen Emotion. Damit unterscheidet Fotografie sich essentiell von Kunstformen wie z.B. Film, Theater, Literatur oder Musik, die alle unmittelbar mit der (fließenden) Zeitkomponente verbunden sind. Sie stellen eine Aneinanderreihung an flüchtigen Momenten dar, die immer einen Anfangs- und einen Endpunkt hat. Eine Melodie setzt ein und endet – ich kann sie zwar wiederholt anhören, beginne dann aber immer wieder von vorn. Auch geschriebene Sätze oder gespielte Szenen haben in der Sinneswahrnehmung einen zeitbedingten Anfang und Schluss.
Ein Foto ist mit seinem Ausdruck in jeder Hinsicht zeit-los und damit sozusagen das Moment im Moment.

Eingefrorener Moment
Eingefrorener Moment

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